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Patella Instabilität: Ursachen, Symptome und moderne Behandlung

Sportler hält sein schmerzendes Knie — typisches Bild bei Patella-Instabilität

Eine Patella-Instabilität bedeutet, dass die Kniescheibe (Patella) nicht stabil in ihrer Führung gleitet und teilweise oder vollständig nach aussen aus dem Gelenk springt (Patellaluxation). Diese Problematik betrifft häufig junge, aktive Menschen und Sportler, kann aber grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Dank neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und moderner Operationsmethoden kann heute für die meisten Patienten eine sehr gute langfristige Stabilität des Knies erreicht werden.

Wie entsteht eine Patellaluxation?

Die erste Luxation der Kniescheibe entsteht häufig durch ein Sporttrauma, zum Beispiel beim Fussball, beim Skifahren, beim Handball oder bei schnellen Richtungswechseln im Sport. Bei der Luxation kommt es fast immer zu einer Verletzung eines wichtigen Bandes: dem medialen patellofemoralen Ligament (MPFL). Dieses Band ist der wichtigste Stabilisator der Kniescheibe nach innen. Wenn es reisst oder überdehnt wird, verliert die Patella ihre Führung und das Risiko für weitere Luxationen steigt deutlich. Deshalb ist eine frühzeitige und richtige Erstbehandlung entscheidend, da wiederholte Luxationen langfristig zu Knorpelschäden und Arthrose führen können.

Typische Beschwerden

Typische Symptome einer Patella-Instabilität sind das plötzliche Herausspringen der Kniescheibe, starke Knieschmerzen und eine Schwellung des Kniegelenks. Viele Patienten berichten auch, dass sich die Kniescheibe „verschiebt“ oder „unsicher anfühlt“. Dies führt oft zu einem ständigen Gefühl von Instabilität, einer grossen Angst vor einer erneuten Luxation und einer eingeschränkten Belastbarkeit beim Sport.

Anatomische Risikofaktoren

Oft liegt zusätzlich zum Unfallmechanismus eine anatomische Veranlagung vor, welche die Stabilität der Kniescheibe vermindert. Zu diesen Faktoren, die bei der Abklärung genau untersucht werden, gehören Rotationsfehlstellungen von Oberschenkel (Femur) oder Schienbein (Tibia). Solche Fehlstellungen können dazu führen, dass die Patella stärker nach aussen gezogen wird. Dies wird mit speziellen CT- oder MRI-Messungen wie dem TT-TG Abstand beurteilt, der idealerweise unter 16 Millimetern liegt.

Auch eine Fehlstellung der Beinachse, wie ein X-Bein, oder ein Knick-Senk-Fuss erhöhen den Zug nach aussen. Zudem spielt die Form der knöchernen Gelenkführung (Trochlea) eine wichtige Rolle. Ist diese Rinne flach oder konvex statt stabilisierend konkav, spricht man von einer Trochleadysplasie. Schliesslich erhöht auch eine zu hoch stehende Kniescheibe (Patella alta) das Risiko, da sie weniger knöcherne Führung hat.

Risikoanalyse nach der Luxation

Nach jeder Patellaluxation sollte eine genaue Risikoanalyse erfolgen. Hierfür wird häufig der Patellar Instability Severity Score (PIS-Score) verwendet. Dieser bewertet verschiedene Faktoren wie das Alter, anatomische Risikofaktoren, die Höhe der Patella, eine mögliche Trochleadysplasie und den TT-TG Abstand. Der Score hilft dem Arzt dabei zu entscheiden, ob eine konservative Behandlung ausreicht oder eine Operation sinnvoll ist.

Tabelle: Patellar Instability Severity Score (PIS-Score) mit Risikofaktoren und Punkten
Patellar Instability Severity Score (PIS-Score), modifiziert nach Balcarek et al., KSSTA 2014 · © 2015 AGA Komitee Knie-Patellofemoral

Konservative Behandlung und Physiotherapie

Nach einer ersten Luxation kann häufig zunächst eine konservative Therapie ohne Operation durchgeführt werden. Die Ziele sind die Heilung des MPFL-Bandes, die Stabilisierung durch Muskeltraining und die Wiederherstellung der Beinachsenkontrolle. Zu Beginn wird meist eine patellazentrierende Knieorthese getragen, welche die Kniescheibe während der Heilungsphase stabilisiert.

Ein zentraler Bestandteil der Therapie ist die Physiotherapie mit gezieltem Muskeltraining für den inneren Anteil des Quadrizeps (M. vastus medialis), die Rumpfmuskulatur, die Hüftabduktoren und die Fussmuskulatur. Der Bewegungsaufbau (Flexion) wird dabei schrittweise nach folgendem typischem Schema gesteigert:

ZeitraumBeweglichkeit (Flexion)
Woche 1–20–20–40°
Woche 3–40–10–60°
Woche 5–60–0–90°

Zusätzlich erfolgt meist eine Teilbelastung für etwa zwei Wochen. Bei Fehlstellungen der Beinachse können zudem stabilisierende Einlagen helfen.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Eine Operation kann empfohlen werden bei wiederholten Luxationen, einem hohen Reluxationsrisiko, deutlichen anatomischen Fehlstellungen oder wenn bereits Knorpel- und Knochenverletzungen vorliegen. Je nach Ursache und individueller Anatomie des Patienten stehen verschiedene moderne Verfahren zur Verfügung. Dazu zählen die MPFL-Rekonstruktion, die Tuberositas-Versetzung, die Trochleaplastik oder in seltenen Fällen eine achsenkorrigierende Osteotomie.

Wichtige Merksätze

Die Stabilität der Kniescheibe hängt massgeblich von der Knochenform, den Bandstrukturen und der Beinachse ab. Jede Patellaluxation sollte mit Röntgen und MRI abgeklärt werden, um das Risiko weiterer Luxationen mit dem PIS-Score abzuschätzen. Eine korrekt durchgeführte Nachbehandlung ist in jedem Fall entscheidend für den langfristigen Erfolg.

Häufige Fragen zur Patella-Instabilität

Nein. Nach einer ersten Luxation kann häufig zunächst konservativ behandelt werden – mit patellazentrierender Knieorthese, Physiotherapie und gezieltem Muskeltraining. Der PIS-Score hilft einzuschätzen, ob das Reluxationsrisiko eine Operation sinnvoll macht.

Das mediale patellofemorale Ligament (MPFL) ist der wichtigste Stabilisator der Kniescheibe nach innen. Bei einer Luxation wird es fast immer verletzt. Reisst oder überdehnt es, verliert die Patella ihre Führung und das Risiko weiterer Luxationen steigt deutlich.

Rotationsfehlstellungen von Oberschenkel oder Schienbein, ein erhöhter TT-TG Abstand, ein X-Bein oder Knick-Senk-Fuss, eine Trochleadysplasie sowie eine zu hoch stehende Kniescheibe (Patella alta).

Bei wiederholten Luxationen, hohem Reluxationsrisiko, deutlichen anatomischen Fehlstellungen oder bereits vorliegenden Knorpel- und Knochenverletzungen. Je nach Anatomie kommen MPFL-Rekonstruktion, Tuberositas-Versetzung, Trochleaplastik oder selten eine achsenkorrigierende Osteotomie in Frage.

Wiederholte Luxationen können langfristig zu Knorpelschäden und Arthrose führen. Jede Patellaluxation sollte deshalb mit Röntgen und MRI abgeklärt und das Risiko weiterer Luxationen abgeschätzt werden.

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